Negroamaro: der Charakter der Rot- und Roséweine des Salento
Der Charakter der Rot- und Roséweine des Salento

Negroamaro: Traube an der Rebe. Doris Schneider, Julius Kühn-Institut (JKI), Institut für Rebenzüchtung Geilweilerhof, Siebeldingen. Wiedergabe mit Bildnachweis gestattet. · Originalfotografie · Wiedergabe laut VIVC-Eintrag ausdrücklich mit dem angegebenen Bildnachweis gestattet; keine CC-Lizenz unterstellt
Ein Erbe Apuliens
Negroamaro ist eine charakteristische Rebsorte des Salento im Süden Apuliens. Ihr genauer Ursprung bleibt unsicher, doch ihre lange regionale Verwurzelung gehört zu ihrer Identität. Ihr Name hat mehrere Erklärungen hervorgerufen: Manche sehen einen Hinweis auf schwarze Farbe und Bitterkeit, andere verbinden lateinische und griechische Wörter, die beide Schwarz bedeuten. Diese Deutungen ermöglichen keine mit Gewissheit festgelegte einzige Etymologie.
Eine Rebsortenfamilie
Genetische Forschung hat Negroamaro zusammen mit Malvasia Bianca Lunga als eine Elternrebsorte der Malvasia Nera di Lecce identifiziert. Diese Verwandtschaft beleuchtet regionale Cuvées auf andere Weise: Zwei Sorten, die sich im Glas ergänzen, besitzen auch eine familiäre Verbindung. Negroamaro kann sortenrein vinifiziert werden, gehört aber auch zu Rot- und Roséweinen, deren Gleichgewicht aus mehreren Sorten entsteht.
Die Begebenheit: eine andere Reife innerhalb derselben Familie
1994 zeigen Untersuchungen in apulischen Weinbergen Reben mit deutlich früherer Reife. Diese Arbeit führt zur Anerkennung von Negramaro Precoce, auch Cannellino genannt, der wesentlich früher reift als der gewöhnliche Negroamaro. Der Fall zeigt, dass sich das Weinerbe auch in bereits bekannten Parzellen durch Beobachtung unterschiedlichen Verhaltens entdecken lässt. Die Eigenschaften von Cannellino dürfen jedoch nicht auf alle Negroamaro-Weine übertragen werden.
Im Glas
In trockenen Rotweinen begegnen uns häufig reife Frucht, runde Substanz und ein Finale, das eine bittere Nuance bewahren kann. Manche Ausdrucksformen zeigen mediterrane Kräuter; sehr reife Ernte oder Holzausbau verändern Frucht und Textur. Roséweine bieten je nach Herstellung einen anderen, feineren und frischeren Zugang. Bei La Corte Segreta liegt ihr Reiz in dieser Vielfalt jenseits des Bildes eines zwangsläufig massiven südlichen Rotweins. Die Grafik betrifft hauptsächlich trockene Rotweine und bleibt ein Anhaltspunkt: Jahrgang, Terroir, Extraktion und Ausbau bestimmen den Wein.

Typische geschmackliche Merkmale von Negroamaro – qualitative Übersicht von La Corte Segreta. Terroir und Weinbereitung verändern das Profil.
Leone de Castris: drei Jahrhunderte Salento und fünf Rosen →
Tormaresca: Apulien zwischen zwei Meeren und zwei Horizonten →
Malvasia Nera di Lecce: eine durch die Genetik entdeckte Verwandtschaft im Salento →