St.Bernardus Blanche: Weizen, Zitrusfrüchte und unsere Wahl
Unser belgisches Witbier: eine Geschichte von Weizen, weitergegebenem Wissen und Kombinationen, die bei La Corte Segreta entstanden sind.

Flasche St.Bernardus Wit. Fotografie: Brauerei St.Bernardus.
Bei La Corte Segreta wollten wir ein Witbier anbieten. Wir suchten ein Bier, das unserer Karte eine weitere Ausdrucksform hinzufügt: Weizen, Zitrusfrüchte, eine feine Frische und eine geschmeidige Textur. Nach zahlreichen Verkostungen entschieden wir uns für St.Bernardus Wit, das wir als St.Bernardus Blanche auf unserer Karte führen. Sein Geschmack, sein Aromaprofil und seine Geschichte spielten bei dieser Wahl gleichermaßen eine Rolle.
Was bedeutet „Blanche“?
Ein belgisches Blanche gehört zur Familie der Witbiere: Weizenbiere, die traditionell mit gemälzter Gerste und einem Anteil häufig ungemälzten Weizens gebraut werden. Das Wort „Blanche“, also „weiß“, erinnert an ihre helle, trübe Farbe: Bestandteile des Getreides und schwebende Hefen können diese typische Trübung verursachen. Koriander und Orangenschalen gehören zu den klassischen Merkmalen dieses Stils.
„Blonde“ bezeichnet zunächst eine Farbe; ein solches Bier muss weder die Zusammensetzung noch den Charakter eines Witbiers haben. Die Namen können übrigens überraschen: Unser Chimay Blanche ist ein helles Tripel, kein Witbier. Deutsches Weissbier wird ebenfalls mit Weizen gebraut, verwendet aber üblicherweise einen hohen Anteil gemälzten Weizens. Seine typischen Noten von Banane und Gewürznelke entstehen vor allem durch die Hefe.
Watou: eine Geschichte weitergegebenen Wissens
St.Bernardus wird in Watou in Westflandern nahe der französischen Grenze gebraut. Die Geschichte des Hauses beginnt mit Trappisten vom Mont des Cats, die in einem Zufluchtshaus Käse herstellten. Die Käserei wurde später von Evariste Deconinck übernommen. 1946 kam ein neuer Geschäftszweig hinzu: die Bierherstellung in Lizenz für die Mönche von Westvleteren. Braumeister Mathieu Szafranski brachte die Rezepte und die Hefe von Sankt Sixtus mit.
Diese Lizenz endete 1992; das Haus setzte seine Arbeit unter dem Namen St.Bernardus fort. Dieses klösterliche Erbe gehört zu seiner Geschichte, doch das heutige St.Bernardus Blanche ist kein Trappistenbier.
Pierre Celis und die Rückkehr des Witbiers
Das Wit wurde in Zusammenarbeit mit Pierre Celis entwickelt, einem der prägenden Akteure der Wiederbelebung des belgischen Witbiers in den 1960er-Jahren. Eine Anekdote gefällt uns besonders: Nachdem St.Bernardus sein Grottenbier hergestellt und vermarktet hatte, wollte er der Brauerei etwas zurückgeben und half ihr, ihr Witbier zu verfeinern. Hinter diesem Bier stehen also auch eine Begegnung zwischen Brauern und gemeinsam genutztes handwerkliches Wissen.
Der Charakter, den wir gewählt haben
Dieses Witbier ist unfiltriert und obergärig und hat 5,5 % Alkohol. Wir schätzen seine Aromen von Orange und Koriander, seine Zitrusakzente und den feinen Hauch von Gewürznelke. Die samtige Textur des Weizens sorgt für ein weiches Mundgefühl, getragen von einer erfrischenden Säure und einem sehr frischen Abgang.
Bei den World Beer Awards 2026 wurde es in der Kategorie „Belgian Style Witbier“ zum besten belgischen Witbier gewählt und erhielt den Titel Country Winner für Belgien, den es bereits 2024 gewonnen hatte. Diese Auszeichnung ergänzt unsere Wahl; seinen Platz auf unserer Karte verdankt es der Verkostung.
Eine unserer längsten Verkostungsreihen
Die Auswahl unseres belgischen Witbiers hat viel Zeit beansprucht. Zunächst mussten wir die Biere vergleichen und dasjenige auswählen, das uns gefiel. Danach suchten wir passende Kombinationen mit unseren Pizzen. Dieses Vorgehen in zwei Schritten machte die Auswahl zu einer unserer längsten Verkostungsreihen.
Unsere Versuche mit St.Bernardus begleiteten vor allem zeitlich begrenzte Pizzakreationen. Dabei fiel uns besonders auf, wie gut Zitronenzesten seine Zitrusdüfte aufgriffen und wie gut Beläge mit Stracciatella zu seiner Textur und Frische passten.
Mortadella und La Pizza del Vescovo
Für diese Verkostung bereiteten wir La Pizza del Vescovo erneut zu: eine Pizza mit Mortadella, die wir zuvor als Empfehlung angeboten hatten. Der zarte Schmelz dieser Wurstspezialität und der fein würzige Charakter des Bieres ergaben für uns eine sehr schöne Kombination. Diese Versuche machten uns Lust, mit cremigen Belägen und zitronigen Noten weiterzuarbeiten.
Eine Gazzella Reale für die Verkostung
Unsere Gazzella verbindet Tomatensauce, Fior di latte, in der Pfanne gebratene Zwiebeln, frisch auf Bestellung geschnittenen Parmaschinken, leicht geröstete Kürbiskerne, Oregano und Basilikum. Bei der Variante Gazzella Reale kommen kleine, cremige Burratine mit einem Inneren aus Stracciatella und Sahne hinzu.
Auf dieser Grundlage schufen wir eine besondere Version für die Verkostung von St.Bernardus Blanche, mit Zucchini, unbehandelter Zitronenschale und schwarzem Pfeffer. Die Burratine brachten ihre Cremigkeit ein, der Parmaschinken seinen Geschmack, die Zucchini ihre milde Süße und die Zitrone eine Frische, die auf die Zitrusnoten des Bieres antwortete. Der Pfeffer ergänzte einen würzigen Akzent.
Für uns war dies die ideale Pizza als Begleitung zu diesem Witbier. Sie vereinte, was wir suchten: einen großzügigen Belag, einen cremigen Kern und genügend Frische, damit sich die Aromen des Bieres entfalten konnten. So entwickeln wir unsere Kombinationen bei La Corte Segreta gerne: Wir nehmen uns Zeit zum Probieren und gestalten dann eine Kreation rund um das, was uns tatsächlich gefallen hat.
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